Die Fragenstellerin

Minimalismus als Haltung?

Minimalismus als Haltung?

Petra Lukaschewski 31. Januar 2019

Teil 1:
Die ersten Ideen mit nur 2 Koffern in meine neue Wahlheimat, durch die Welt zu fahren und in ihr zu sein, kamen mir bereits 2016 in den Sinn. Alles aufgeben und nur noch in möbliert gemieteten Appartements zu leben war eine spannende Vorstellung. Keine großen materiellen Besitztümer, keine Sorge mehr etwas „wertvolles“ zu verlieren. Frei sein – keine Anhaftungen. Autonomie?
Seufz, ja eine romantische Vorstellung – damals.
Mobil und flexibel sein, ganz einfach. Mit dem Sternzeichen Zwilling ist die Flexibilität und das wissbegierige fest in mir verankert. Keep it simple.
Verzicht auf das Unnötige? Ja!
Und was ist das Notwendige, das Wesentliche, für mich?
Was ist wichtig? Was brauche ich um zufrieden zu leben?
Ich konnte mich schon als kleines Kind von Dingen trennen, die ich nicht mehr brauchte -ob Fotosammlungen, Spielzeug oder Kleidung. Loslassen macht Spaß.
„Wenn Du loslässt hat Du 2 Hände frei.“ Chinesische Weisheit

Dann passierte erst einmal nichts. Die Idee/das Samenkorn war gepflanzt und durfte wachsen. Es vergingen 2 Jahre in meinem normalen Trott.
Auf den erneuten Auslöser hätte ich gerne verzichtet, der gehört aber nun auch zu mir:
In 2018 hatte ich einige unschöne Begebenheiten: Unfall und Krankheit.
Die Krankheit hat mich fast das Leben gekostet hat. Das wäre um Haaresbreite mein teuerster Verlust geworden.
Das Ergebnis daraus: Verlust von Beziehung und Freundschaften.
Oft gab es wesentlich mehr unschöne als schöne Momente, und dann noch der täglich geführte Kampf.
Da ich aber Dank meiner Eltern eine sehr höhe natürliche Resilienz* (Psychische Widerstandsfähigkeit) besitze, lande ich trotz aller Zweifel und schlechten Gedanken, spätestens am übernächsten Tag immer wieder in meinem optimistischen und dankbarem Fahrwasser. Wozu eine Erfahrung notwendig ist, spüren wir ja erst später. Genauso, wie wir das Leben eben nur Rückwärts verstehen. Also ist alles gut, und hat seinen Sinn. Auch wenn es sich anfangs nach einem Verlust anfühlt.

Auf meinem Weg der Genesung, im Oktober 2018 wurde die Stimme des Loslassens und der Wahlheimat wieder sehr laut und präsent. Aber anders. Nun gab es auch noch das Gefühl des Neuanfangs kostenlos dazu. Plus einen mehr als wichtigen Menschen. Die Idee hat sich mit mir, zu einem neuen Abschnitt entwickelt. Ganz natürlich auch immer die Frage:
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Ort war schnell gefunden: NRW. Meine alte Heimat wird meine neue Wahlheimat! Vorerst – grins.

Loslassen ganz konkret heißt in meinem Fall:
Was ich nicht brauche kann weg!
So gehe ich mit allen Teilen meines Lebensraumes um. Mein Kleiderschrank, meine Küche, Wohnzimmer, Buchsammlung, Mobiliar, Wohnfläche, alle „Eventuell-Schaue-Ich-Mir-Das-Noch-Einmal-An-Kisten“, mit denen ich schon 3x umgezogen bin, Menschen die nicht meine Werte teilen/meine Sprache sprechen, Kosmetik-Sammlung (ich habe 32 Lipgloss in ähnlichen Farben gefunden. 32! Pfff… Es liest sich vielleicht unkoordiniert, aber so bin ich vorgegangen.
Hier paart sich nun Achtsamkeit mit dem Blick auf Dosis und Qualität zu meinem Minimalismus. Ich lebe nun mit 9 Hosen nicht schlechter als mit 32, oder mit 42 Büchern anstelle von 237.
Im Gegenteil! Aufräumen, Aussortieren und Abgeben schaffen Raum. Ein aktiver Prozess. Dieser wird nicht mit den nächsten Anschaffungen gefüllt. Sondern mit der inneren Haltung.
Meiner inneren Haltung von Werten (ganz oben steht Gesundheit!!!) und Charakter.
Dies ist mein Neu-Anfang als Minimalistin.



* Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass zur Entwicklung zu nutzen. Quelle: Wikipedia.